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Tabakprävention, warum?

Passivrauchen

Alle Menschen, die sich in einem Raum aufhalten, in dem geraucht wird, sind dem Innenraumschadstoff Tabakrauch ausgesetzt. Über die Atemluft werden die giftigen und krebserregenden Substanzen des Tabakrauchs in den Körper aufgenommen, was auch als Passivrauchen bezeichnet wird.

Grundsätzlich gilt, dass für die im Tabakrauch enthaltenen Kanzerogene keine Grenzwerte definiert werden können, unterhalb derer keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten wäre. Auch kleinste Passivrauchbelastungen können zur Entwicklung von Tumoren beitragen.

Selbst kurzzeitiges Passivrauchen kann zu einer Einschränkung der Körperfunktionen der Betroffenen führen. So wurde festgestellt, dass Passivrauchen die Anpassungsfähigkeit der Blutgefässe beeinträchtigt.

Was ist Passivrauch und welche Substanzen sind darin enthalten?

Als Passivrauchen bezeichnet man das Einatmen von Tabakrauch, der von brennenden Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen ausgeht oder vom Raucher ausgeatmet wird. Der größte Teil des Tabakrauchs in der Raumluft, mehr als 80 %, stammt von der Tabakglut.

Der Tabakrauch enthält eine Vielzahl giftiger und krebserregender Stoffe wie Stickstoffoxide, Blausäure, Ammoniak bzw. Formaldehyd, Akrolein, Benzol, polyzyklische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine, Schwermetalle und das radioaktive Polonium 210.

Die Verweildauer des Tabakrauchs in der Raumluft ist beträchtlich. So beträgt die Halbwertzeit der Feinstaubpartikel und der gasförmigen Bestandteile des Rauchs in der Raumluft mehr als zwei Stunden. Komponenten des Tabakrauchs, die sich an Wänden, Möbeln, Gardinen oder Teppichen niederschlagen, werden zum Teil über Wochen und Monate wieder in die Raumluft abgegeben und sind lange Zeit als "kalter Rauch" wahrnehmbar.

Der Rauch, der von der glimmenden Zigarette abgeht (Nebenstromrauch), ist erheblich gefährlicher als der vom Raucher aufgenommene Tabakrauch (Hauptstromrauch). Viele der Schadstoffe liegen im Nebenstromrauch in bis zu 100-fach höherer Konzentration vor als im Hauptstromrauch. Weiterhin sind die Feinstaubpartikel des Nebenstromrauchs um die Hälfte kleiner und werden daher beim Einatmen verstärkt in die tiefen Lungenabschnitte eingeatmet.

Akute Wirkungen des Passivrauchens

Passivrauchen verursacht akut Atembeschwerden wie Husten und Auswurf, Halsschmerzen und Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung sowie Augenbrennen und -tränen. Weiterhin treten nicht selten Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle und Müdigkeit auf, die über viele Stunden anhalten können. Bei Asthmatikern kann die Belastung mit Tabakrauch schwere Anfälle von Atemnot auslösen.

Säuglinge und Kinder reagieren besonders empfindlich auf die Einwirkung des Tabakrauchs. Sie leiden bei Tabakrauchbelastung überdurchschnittlich häufig an Atemwegs- und Mittelohrentzündungen. Im frühen Lebensalter wird durch Passivrauchen die Entstehung von Asthma begünstigt.

Eine besonders gefürchtete Folge des Passivrauchens ist der so genannte plötzliche Kindstod, d.h. das Versterben von Säuglingen ohne jegliche Vorwarnung und ersichtliche Ursache. Wenn Eltern während der Schwangerschaft und nach der Geburt rauchen, verdoppelt sich das Risiko, dass ihr passivrauchendes Kind auf diese Weise ums Leben kommt.

Neben den Atemwegen wird bei Erwachsenen vor allem das Herz-Kreislauf-System durch das Passivrauchen geschädigt. Das Kohlenmonoxid im Tabakrauch vermindert die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren und als Energiequelle für das Herz bereit zu stellen. Die reaktiven Inhaltstoffe des Tabakrauchs stören die Funktion der Blutgefäße, die das Herz versorgen (Herzkranzarterien). Außerdem verstärken die Schadstoffe das Zusammenhaften von Blutplättchen und beschleunigen damit die Bildung von Blutgerinnseln. All dies kann zur Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, Engegefühl in der Brust und Herz-Rhythmusstörungen bis hin zum akuten Herzinfarkt führen.

Chronische Wirkungen des Passivrauchens

Langjähriges Passivrauchen kann zur Entstehung von Lungenkrebs führen. Das Risiko, an dieser nahezu unheilbaren Krebsform zu erkranken, ist für Passivraucher um 20-30 % höher als für Menschen, die keinem Tabakrauch ausgesetzt sind. Wie beim Aktivrauchen steigt auch beim Passivrauchen das Lungenkrebsrisiko mit der Dauer und dem Ausmaß der Belastung an. So ist davon auszugehen, dass Menschen, die täglich viele Stunden in stark verqualmten Räumen zubringen - wie Beschäftigte in Gaststätten und Bars -, besonders stark gefährdet sind.

Passivrauchen verursacht außer Lungenkrebs sehr wahrscheinlich auch Krebs der Nasennebenhöhlen und der Blase. In neuerer Zeit mehren sich Hinweise darauf, dass Passivrauchen das Risiko für Brustkrebs bei Frauen erhöht, die in ihrer Jugend dem Passivrauch ausgesetzt waren.

Passivrauchen schädigt bei Dauerbelastung nachhaltig die Wände der Blutgefäße und begünstigt deren Verkalkung und Verengung. Damit wird die Grundlage für die Entstehung von Herzinfarkten und Schlaganfällen gelegt, die letztlich durch die akute Bildung von Blutgerinnseln ausgelöst wird.

Wie beim Lungenkrebs tragen die Passivraucher auch bei den tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein 20-30 % höheres Risiko als Menschen, die keinem Tabakrauch ausgesetzt sind.